ANIKA PETER, BIBLIOTHEKARIN - KULTURKOPF AM 21.11.09

Mitwirkende
Moderation: Tim Schomacker
Gast: Anika Peter
Wie die Jungfrau zum Kinderbuch

Der große argentinische Schriftsteller und Bibliothekar erfand eine Bibliothek, die schlicht alles enthielt, was überhaupt geschrieben werden kann. Und darin die ganze Welt. Wenn Anika Peter sagt, für sie sei eine Bibliothek Kultur, "weil sie alle Kulturrichtungen an einem Ort vereint und zugänglich macht", nimmt sich das vergleichsweise bescheiden aus. Aber auch les- und handhabbarer. Denn Borges' Bibliothek von Babel war unendlich, enthielt alle möglichen Kombinationen der Buchstaben des lateinische Alphabets. Peters eigene, "zugegeben etwas romantische" Vorstellung von einem idealen Bücherhaus hat nichts weniger traumhaftes: "Eine große, runde Bibliothek, in einem Turm mit 10 Meter hohen Regalen aus dunklem Eichenholz in mehreren Etagen übereinander. Auf jeder Etage ein paar Stufen und eine Leiter, mit der man an dem Regal entlang fährt. Und ich, oben in 10 Metern Höhe, auf einer dieser Leitern auf der Suche nach dem richtigen Buch."

Die Les- und Erzählbarkeit von Welt ist aber schon ein Antrieb im Berufsalltag der 28-Jährigen. Die gebürtige und leidenschaftliche Bremerhavenerin ist stellvertretende Leiterin der Stadtbibliotheksfiliale in der Vahr. Zu ihrem Schwerpunkt, dem Kinder- und Jugendbuch, kam sie "wie die Jungfrau zum Kind". In Bremerhaven hat sie ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek, wie es offiziell heißt, gemacht. "Ich hatte das große Pech, dass niemand so richtig Zeit für mich hatte", sagt Peter. Irgendwann fand sich eine Kollegin, die ihr "alles beibringen wollte, was sie wusste - nur war es eben das Kinder- und Jugendbuch. Erst war ich nur froh, dass mich jemand unter die Fittiche genommen hat". Schon bald aber wurde aus diesem Zufall eine grundlegende Haltung zu ihrem Beruf.

In engem Kontakt zu den Schulen, in der Arbeit am Sortiment und seiner attraktiven Darbietung hat sich die Katzenfreundin längst zur Expertin für Zielgruppenarbeit entwickelt. "Leseförderung wird in Bremen größer geschrieben als anderswo", sagt Anika Peter. Das bedeutet, "man ist in gewisser Weise das Gesicht der Abteilung". Was auch bedeute, dass man sich ständig Gedanken darüber machen müsse, wie nämliche Abteilung über Veranstaltungen und andere Angebote interessant bleibt. Junge Menschen, die den Tag für ihren schönsten halten, an dem die Mutter (oder auch der Vater) anfängt, einem Ottfried Preusslers Klassiker "Die kleine Hexe" vorzulesen, gibt es ja nicht wie Sand am Meer. "Ich glaube daran, dass in jedem eine Gabe, ein Talent, eine besondere Fähigkeit steckt, die aber geweckt werden muss", sagt Peter. Als Wecker ist das Buch nach wie vor nicht schlecht geeignet. Und "Bibliotheken können manchmal viel interessanter, moderner und innovativer sein, als man denkt."

Apropos Sand. Jener, der in Thailand zwischen türkisfarbenem Meer und exotischen Pflanzen liegt, hat es Anika Peter besonders angetan. Auch wenn es die meiste Zeit des Jahres nur für einen Sofasonntag mit Katze oder einen Bummel über den Weihnachtsmarkt reicht. Oder für die gemeinsame Rückschau auf die großen Kinozeiten in Schwarz und Weiß. Ob es dabei so systematisch und lösungsorientiert zugeht wie bei ihrem Aufstieg zum Filial-Vize? "Eine Stelle war frei. Und weil ich neben meiner Leidenschaft für Bücher auch ein wenig organisatorisches Talent mitbringe, habe ich mein Interesse bekundet." Der vielleicht beste Beleg, dass es sich gelohnt hat, ist vielleicht jener kleine Moment, "wenn mich im Stadtteil jemand auf der Straße erkennt - und weiß: das ist die aus der Bibliothek!"

Was nach Harry Potter kommt, wie viele Bücher Audrey Hepburns Bibliothek zählte, warum sie vor Hartkäse warnt und wie sie ihr Leben am Fluss im Fluss hält, erzählt Anika Peter am 21. November beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Von 11 bis 13 Uhr ist sie bei Moderator Tim Schomacker als Kulturkopf zu Gast. Live zu hören auf UKW 92,5 (radioweser.tv) oder per Stream und Podcast unter www.kulturkoepfe.de






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