Kulturkopf 17.11.07 Cordula Caspary -
  • Bestattungsunternehmen Caspary
  • Memento!
    von Mascha Kaleko

    Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
    nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
    Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

    Allein im Nebel tast ich todentlang
    und lass mich willig in das Dunkel treiben…
    Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

    Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr
    - und die es trugen, mögen mir vergeben.
    Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
    doch mit dem Tod der andren muss man leben!



  • TOTENSONNTAG 23.11.08 KK CORDULA CASPARY -


    CORDULA CASPARY, BESTATTERIN - KULTURKOPF AM 17.11.07

    Mitwirkende
    Moderation: Carsten Werner
    Gast: Cordula Caspary
    Trauer- als Kulturarbeit

    "Der Tod ist ein Skandal", fand Elias Canetti fast sein Leben lang - noch als Achtzigjähriger notierte er: "Ich verfluche den Tod. Ich kann nicht anders. Und wenn ich darüber blind werden sollte, ich kann nicht anders, ich stoße den Tod zurück. Würde ich den Tod anerkennen, ich wäre ein Mörder." Und erst kurz vor seinem eigenen Tod erkannte er, dass er mit dieser Haltung auf einen Teil seiner eigenen Zeiterfahrung verzichtet hatte: Wer den Tod und das Sterben verdrängt, verdrängt möglicherweise eben auch die Rückschau, das Abschiednehmen, Versöhnungen und Distanzen, Offenheiten und Ehrlichkeiten, Gedanken über die nahe oder fernere Zukunft - für sich selbst oder für nahe und geliebte Menschen.

    „Da gibt es kein richtig oder falsch“, erzählt die Bestatterin Cordula Caspary von ihrer Arbeit: „Man kann dann einfach nur da sein und zuhören.“ Wie man mit Menschen umgeht, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, kann auch die Bestatterin nicht „richtig“ beantworten: „Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Abschied auch. Trauer braucht Menschen, Raum, Zeit und Ausdruck“, beschreibt sie die Grundlagen ihrer Arbeit. Wichtig sei dabei, eine Balance zu finden zwischen individuellen Gefühlen und Bedürfnissen und stärkenden oder leitenden Ritualen.
     
    „Es war eine innere Stimme, Berufung, vielleicht auch nur Zufall“, erinnert sich die 1966 in Tansania geborene Caspary an ihre Entscheidung, ein eigenes Bestattungsunternehmen zu gründen. Vorher hatte die Mutter zweier Töchter in Tübingen und Bremen Kulturwissenschaft und Politik studiert. Von ihrer Berufswahl erzählt sie voller Leidenschaft und Lebensenergie – immerhin ist sie damit in eine absolute Männerdomäne eingebrochen. Das konnte sie aber nicht schrecken: Schon ihr allererstes Geld verdiente sie auf dem Bau; schon damals „als erste Frau in dem Betrieb!“
     
    Als Frau der Tat liest sie „außer Überschriften in der taz und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln nicht gerne: „Ich erlebe das Leben lieber selbst.“ Vielleicht rückt die tägliche Begegnung mit dem Tod sie näher zum Leben, vielleicht wird so mancher Blickwinkel geradegerückt? Auf jeden Fall schätzen Freunde von Cordula Caspary, vor allem ihre Großherzigkeit und dass man mit ihr ausgelassen und ausgiebig lachen kann.
     
    Die Entscheidung für Bremen als Lebensmittelpunkt traf Cordula Caspary 15 Minuten nach dem ersten Eintreffen in der Hansestadt gemeinsam mit ihrem damaligen Mann: „Das weiß ich noch genau. Wir haben uns beide gleichzeitig in Bremen verliebt. Und ich habe diese Entscheidung noch nie bereut. ... Wenn man nachts über die Stephanie-Brücke Richtung Altstadt fährt, da weiß ich: Hier bin ich zu Hause.“
     
    Cordula Caspary spricht mit Carsten Werner beim Radiofrühstück „KulturKöpfe“ über die Kultur der Trauer – und auch über Jil Sander, über warmes Frühstück und über gutriechende Männer in Fahrstühlen ... am Samstag von 11 bis 13 Uhr ist das im Bürgerfunk auf UKW 92.5 MHz live zu hören – oder jederzeit als Internetstream und Podcast unter www.KulturKoepfe.de. (eoe)


    PLAYLIST CORDULA CASPARY

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    Fairground Attraction -  the first of a million kisses, the wind knows my name - amazon
    Aphrodite`s child - the singles, I want to live - amazon
    Klaus Hoffmann - ciao bella, toter mann
    Angelique kidjo - logozo, malaika
    Cool-t feat ...

    DER TOD STIRBT ZULETZT

    Gestorben wird immer
    Zum Totensonntag: Mit einem RADIOTAG blicken die Schwankungen blicken dem Tod ins Auge

    Wer nicht erstarren will im Angesicht des Todes, muss sich mit ihm auseinandersetzen ...